Hier entsteht etwas Neues

In wenigen Wochen präsentiert sich der clarat Blog in neuem Design und mit neuen Themen. Wir wollen die Flüchtlingshilfe und die Kinder- und Jugendhilfe noch transparenter machen.  Schon jetzt beginnen wir hier mit dem A-Z des sozialen Sektors. Nach und nach füllt sich dieses A-Z wie ein Lexikon mit Begriffen aus der Welt der Probleme und Hilfen in Deutschland. Das ist zum Beispiel nützlich, wenn du ein Problem hast und mehr darüber erfahren möchtest. Oder, wenn du die Hilfen, die es in Deutschland gibt, besser verstehen möchtest.

Wir glauben, dass jeder Mensch mal Probleme hat. Und, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Mit clarat.org wollen wir dich auf dem Weg dorthin begleiten.

Lernbehinderung – Was ist das?

Von einer Lernbehinderung spricht man, wenn ein Kind in der Schule über einen langen Zeitraum hinweg sehr große Probleme beim Lernen hat. Das Kind ist dabei so stark in seiner Lernfähigkeit und seinen Leistungen eingeschränkt, dass es beim Lernen nicht mehr mit seinen gleichaltrigen Mitschülern mithalten kann. Oft zeigt sich das an immer wieder sehr schlechten Schulnoten, manchmal gleich in mehreren Unterrichtsfächern. Dem Kind fällt das Lernen so schwer, dass es mehrfach ein Schuljahr wiederholen muss, bis es mit der Zeit mehr als zwei bis drei Schuljahre in seinen Leistungen zurückfällt.

Es gibt jedoch unterschiedliche Formen an Lernbehinderungen und sie können häufig nur schwer erkannt werden. Eine typische Form der Lernbehinderung ist zum Beispiel die Legasthenie. Legasthenie ist eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Manchmal hat ein Kind aber auch nur große Schwierigkeiten, lesen zu lernen. Oder es hat nur Probleme mit der Rechtschreibung. Eine andere Form der Lernbehinderung ist die Dyskalkulie. Das ist, wenn man massive Schwierigkeiten beim Rechnen und im Umgang mit Zahlen hat. Aber oft leiden Kinder auch an einer Lernstörung, die ihnen gleich in mehreren Bereichen und Schulfächern große Lernschwierigkeiten bereitet.

Lernbehinderungen wie diese sind aber nicht einfach nur eine einfache Lernschwäche, die einem Kind im Deutsch- oder Mathematikunterricht Probleme und schlechte Noten verursacht. Die kognitiven Fähigkeiten, – das bedeutet nachzudenken, etwas zu erkennen und zu begreifen, – sind bei Kindern mit einer Lernbehinderung vielmehr gestört. Und oft weisen diese Kinder auch eine Intelligenz auf, die unter dem Durchschnitt liegt. Das bedeutet aber nicht, dass diese Kinder an einer geistigen Behinderung leiden. Man unterscheidet eine Lernbehinderung nur deutlich von einer einfachen Lernschwäche auf der einen Seite und einer geistigen Behinderung auf der anderen.

Wie äußern sich Lernbehinderungen?

Eine Lernbehinderung zeigt sich nicht einfach nur in schlechten Schulnoten. Die schulischen Leistungen von Kindern mit einer Lernbehinderung liegen meist weit unter dem Durchschnitt der Klasse. Manche Kinder sind manchmal auch in ihrer Sprach- oder Bewegungsentwicklung noch nicht ganz so weit, wie es für ihr Alter normal wäre. Den meisten fällt es schwer, sich die Inhalte und das Wissen in der Schule genauso schnell wie die anderen in der Klasse anzueignen. Die Aufgaben sind zu schwer, das Tempo zu schnell. Oft haben die Kinder Probleme mit der Kommunikation. Sie verstehen Bilder, Töne oder Aufgaben falsch. Oder sie erkennen Zusammenhänge nicht richtig und verlieren den Überblick. Insgesamt haben die Kinder meist große Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und sich Dinge zu merken. Und es gelingt ihnen nicht, sich eigene Lernstrategien anzueignen.

Die Kinder sind verunsichert und eingeschüchtert. Sie trauen sich nicht, nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Das Lernen überfordert sie. Wird zum Stress. Sie sind frustriert und zweifeln an sich. Die vielen Misserfolge sorgen dafür, dass die Kinder das Lernen immer mehr ablehnen. Viele Kinder mit einer Lernbehinderung zeigen oft auch ein auffälliges Verhalten. Manche ziehen sich zurück, manche sind hyperaktiv, stören den Unterricht und manche Kinder sind aggressiv. Eine Lernbehinderung kann daher nicht nur für das Kind und seine Eltern eine Belastung sein, sondern auch für Mitschüler, Lehrer oder Erzieher.

Wer kann eine Lernbehinderung haben?

Lernbehinderungen treten nicht nur bei Kindern auf, die zur Schule gehen. Sie können Menschen aller Altersstufen betreffen und ihnen und ihren Angehörigen das Leben erschweren. Schon bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es manchmal zu einer verlangsamten Entwicklung. Aber leider bleibt das von den Eltern oft zunächst unbemerkt und es ist in diesem Alter noch schwer zu erkennen, dass das Kind vielleicht eine Lernbehinderung haben könnte. Erst im Kindergarten- und Vorschulalter und in der Schule fällt es deutlicher auf, dass manche Kinder sehr viel langsamere Lernfortschritte machen als andere in ihrem Alter. Erst hier wird eine Lernbehinderung dann meistens erkannt. Aber auch Erwachsene können eine Lernbehinderung haben. Sie haben oft große Probleme im Alltag, denn viele Dinge, die für das alltägliche Leben wichtig sind – Ausbildung, Arbeitsalltag, Banken, Verträge und Schriftverkehr – fallen ihnen sehr schwer. Obwohl sie erwachsen sind, brauchen sie im Umgang mit all diesen alltäglichen Dingen meist zusätzliche Hilfe.

 

Was sind die Ursachen für Lernbehinderungen?

Lernbehinderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Es kann zum Einen gesundheitliche Gründe geben, die das Gehirn oder andere Organe betreffen. Diese können zum Beispiel eine angeborene unterdurchschnittliche Intelligenz oder genetisch bedingte Krankheiten sein. Manchmal liegt es aber auch an erworbenen Hirnschäden während der Schwangerschaft oder an Problemen bei der Geburt. Aber auch eine körperliche Behinderung wie Hörschäden oder eine zu langsame körperliche Entwicklung kann zu einer Lernbehinderung führen.

Auf der anderen Seite spielt manchmal auch eine große Rolle, wie ein Kind aufwächst und was es erlebt. Allem voran die Situation in der Familie, die Erziehung durch die Eltern oder die Umgebung, in der ein Kind aufwächst. Zum Beispiel, wenn Säuglinge oder Kleinkinder zu wenig Pflege und Zuwendung von den Eltern bekommen und keine Bindung zu ihren Eltern aufbauen können. Wenn Eltern ihr Kind nicht schon im frühen Alter ausreichend fördern, kann es zu einer langsameren Entwicklung oder sogar zu Rückständen kommen. Aber auch Veränderungen in der Familie wie Streit, Trennungen, Umzüge können bei einem Kind psychische Spuren hinterlassen. Leidet ein Kind an Depressionen, großen Ängsten oder kommt es zu Verhaltensstörungen, kann dies ein Kind in seiner Fähigkeit zu lernen sehr einschränken. Dies kann dann langfristig zu Lernschwierigkeiten, einer Lernstörung oder Lernbehinderung führen.

Welche Förderungen und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

Lernbehinderungen stellen eine große Herausforderung in Schule, Beruf und im Alltag dar. Daher brauchen Kinder und Erwachsene mit einer Lernbehinderung intensive Unterstützung, Förderung und Begleitung durch feste Bezugspersonen. Nur so haben auch sie gute Chancen in Schule, Ausbildung und Beruf und die Möglichkeit, zu lernen, eigenständig durchs Leben zu gehen.

Um so wichtiger ist es, eine Lernbehinderung schon so früh wie möglich zu erkennen und dem Kind frühzeitig die richtige Förderung zu ermöglichen. Eltern sollten sich daher rechtzeitig Rat und Hilfe suchen. Sie können sich zum Beispiel an die Mitarbeiter im Kindergarten wenden oder mit den Lehrern oder einem Schulpsychologen über die Schulleistungen des Kindes sprechen. Auch ein Arzt und ein Psychologe sollten herangezogen werden. Sie können durch Untersuchungen und Tests prüfen, ob es für die Lernschwierigkeiten gesundheitliche oder seelische Probleme gibt. Eltern können sich zusätzlich Unterstützung bei Erziehungsberatungsstellen oder den Integrationsfachdiensten holen. Und in manchen Fällen kann auch eine Therapie dem Kind helfen.

In der Schule gibt es zwei Möglichkeiten, Kinder mit einer Lernbehinderung zu unterstützen: Entweder durch zusätzliches sonderpädagogisches Personal in einer normalen Schule oder in einer speziellen Förderschule. Hier lernen die Kinder gemeinsam mit anderen Kindern, die auch eine Lernbehinderung haben. Der Unterricht an Förderschulen ist genau auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Die Kinder lernen insgesamt etwas langsamer und bekommen eine intensive Förderung durch die Lehrer. Es gibt auch spezielle Berufsausbildungen für Menschen mit Lernbehinderungen und besondere Betreuung in Ausbildung und Beruf, zu denen die Integrationsfachdienste beraten können.

Menschen mit einer Lernbehinderungen brauchen klare Arbeitsanweisungen, die sie leicht verstehen. Man muss ihnen zur Seite stehen und sie dazu ermutigen, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht verstehen. Eltern sollten ihr Kind unterstützen und versuchen, es zum Lernen zu motivieren, aber sie sollten das Kind nicht unter Druck setzen. Es ist wichtig, dem Kind klarzumachen, dass es von seinen Eltern auch mit schlechten Leistungen anerkannt und geliebt wird. Zusätzlich kann es sehr helfen, wenn Eltern die Talente des Kindes fördern, die nicht mit der Schule zu tun haben. Das Kind hat dadurch Erfolgserlebnisse und baut Selbstvertrauen und Mut auf.

Hat dein Kind eine Lernbehinderung? Auf clarat.org findest du Hilfe.

Geburt – Hilfe nach der Geburt

Schwangerschaft und Geburt verändern das Leben von jungen Eltern. Die ersten Lebensmonate des Kindes und die erste Zeit als Familie sind sehr intensiv. In dieser Zeit tauchen viele Fragen auf und viele Entscheidungen müssen getroffen werden. In der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt müssen Anträge und Formulare ausgefüllt werden, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Bei der Krankenkasse kann das Mutterschaftsgeld beantragt werden. Auch die Unterlagen für das Elterngeld und das Kindergeld sollten möglichst bald ausgefüllt und eingereicht werden.

Doch nicht nur die finanzielle Unterstützung sollte gesichert sein. Junge Familien sollten sich nicht scheuen, auch praktische Hilfen für den Alltag anzunehmen. Gerade die ersten Wochen nach der Geburt sind anstrengend. Wenig Schlaf und Überlastung lassen den Alltag schnell schwierig erscheinen. Um den Start ins Familienleben zu erleichtern, gibt es unterschiedliche Unterstützungsangebote. Viele holen sich Hilfe von der Familie oder von Freunden.

Wer aber so ein soziales Netz nicht hat, findet auch anderweitig Hilfe. Die Aufsuchende Elternhilfe bietet Unterstützung für Eltern mit Neugeborenen. Sozialpädagogen und Sozialarbeiter besuchen die Familien zu Hause. Sie helfen bei der Betreuung, im Haushalt oder bei Erledigungen und Besorgungen. Sie arbeiten eng mit den betreuenden Hebammen zusammen. In der Regel kann diese Hilfe bis zu 5 Monate nach der Geburt geleistet werden. Sie ist für die Familien kostenlos. Wenn Mütter oder Väter die Aufsuchende Elternhilfe in Anspruch nehmen wollen, wenden sie sich an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Gesundheitsamtes in ihrem Wohnbezirk. Oder sie gehen direkt zu den Organisationen, die die Aufsuchende Elternhilfe anbieten.

Aber auch Ehrenamtliche unterstützen Familien mit Säuglingen. Projekte wie wellcome oder Känguru bieten praktische Hilfe im Alltag kurz nach der Geburt an. Hier arbeiten zwar keine Fachkräfte, aber auch die Ehrenamtlichen sind geschult.

Manchmal sind Geburten für die Mütter so anstrengend, dass sie in der ersten Zeit danach den Haushalt nicht allein führen können. Das kann zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt oder bei Früh- und Mehrlingsgeburten passieren. In diesem Fall kann eine Haushaltshilfe beantragt werden. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Haushaltshilfe. Hier muss ein Antrag gestellt werden und ein Arzt muss bescheinigen, warum und wie viel Unterstützung benötigt wird.

Es ist gut und wichtig, sich Hilfe zu holen bei Überforderung. Die Zeit mit einem Neugeborenen kann stressig sein. Und niemand sollte sich schämen, Hilfe anzunehmen. Die Angebote der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sind vielzählig.

Hast du ein kleines Baby und bist du überfordert im Alltag und brauchst Unterstützung? Oder kennst du Familien mit einem Neugeborenen, die Hilfe im Alltag brauchen? Auf clarat.org findest du Hilfe.

von Magdalena Firchau

Asylantrag wurde abgelehnt – was kann ich tun?

Wenn das BAMF deinen Asylantrag ablehnt, wirst du aufgefordert Deutschland zu verlassen. Dafür hast du in der Regel 30 Tage Zeit. Manchmal aber auch nur eine Woche. Das passiert aber nur, wenn dein Asylantrag als “offensichtlich unbegründet” abgelehnt wird. Wieviel Zeit du hast, steht auf deinem Bescheid vom BAMF. Die Frist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem du den Bescheid bekommen hast. Wenn du Deutschland nicht verlässt, kannst du abgeschoben werden. Das bedeutet, dass die Polizei und die Ausländerbehörde dich zuhause abholen und in dein Land zurück schicken können.

Lass dich auf jeden Fall beraten, wenn du eine Ablehnung bekommen hast. Es gibt einige Alternativen zur Ausreise oder Abschiebung:

Klagen

Du kannst gegen die Entscheidung des BAMF klagen. Dann entscheidet ein Gericht darüber, ob du nicht doch Asyl bekommen kannst. Du hast 2 Wochen Zeit, um die Klage einzureichen. Die Frist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem du den Bescheid bekommen hast. Eine Beratungsstelle oder ein Anwalt können dir sagen, ob eine Klage sinnvoll ist und was zu tun ist.

Beratungsstellen in Berlin findest du hier. Organisationen, die dir helfen einen Anwalt in Berlin zu finden, findest du hier. Wenn du in einer anderen Stadt bist, nutze die Suchfunktion auf clarat.org.

Wenn keine Zeit mehr bleibt, mit einer Beratungsstelle oder einem Anwalt zu sprechen, kannst du auch selbst zum Verwaltungsgericht gehen und dort deine Klage einreichen. Welches Verwaltungsgericht für dich zuständig ist, steht in deinem Brief vom BAMF. Bei jedem Verwaltungsgericht gibt es eine Rechtsantragsstelle, die dir mit der Klage hilft. Wenn du das gemacht hast, geh danach trotzdem zu einem Anwalt. Du hast jetzt noch 2 Wochen, um dem Gericht zu sagen, warum die Entscheidung des BAMF falsch ist. Dafür solltest du dir von einem Anwalt helfen lassen.

Wichtig: Während deine Klage läuft, kannst du nicht abgeschoben werden. Du darfst deine Aufenthaltsgestattung behalten und bekommst weiter Hilfen vom Staat. Es dauert meistens sehr lange bis das Gericht entscheidet. Es kann sein, dass du 1 Jahr oder länger warten musst. In dieser Zeit kannst du nicht abgeschoben werden.

Asylfolgeantrag

Wenn es neue Beweise für deine Verfolgung oder eine neue Situation in deinem Heimatland gibt, kannst du einen neuen Asylantrag stellen. Eine Beratungsstelle oder ein Anwalt können dir sagen, ob ein neuer Asylantrag möglich und sinnvoll ist. Und was du machen musst.

Beratungsstellen in Berlin findest du hier. Organisationen, die dir helfen einen Anwalt in Berlin zu finden, findest du hier. Wenn du in einer anderen Stadt bist, nutze die Suchfunktion auf clarat.org.

Duldung

Manchmal gibt es ein Hindernis für die Abschiebung. Weil du zum Beispiel keinen Pass hast oder du nicht in der Lage bist, zu reisen. Oder weil du ein minderjähriges Kind oder einen Ehepartner in Deutschland hast. Dann bekommst du eine Duldung.

Die Ausländerbehörde kann dir auch eine Duldung geben, wenn du zum Beispiel eine Therapie zu Ende machen musst. Oder wenn du bald eine wichtige Operation hast.

Du kannst auch eine Duldung bekommen, wenn du deine Schule oder Ausbildung fertig machen möchtest. Wenn du deinen Abschluss hast, kannst du unter bestimmten Voraussetzungen danach auch eine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

Eine Beratungsstelle oder ein Anwalt können dir sagen, ob du eine Duldung bekommen kannst und was zu tun ist.

Beratungsstellen in Berlin findest du hier. Organisationen, die dir helfen einen Anwalt in Berlin zu finden, findest du hier. Wenn du in einer anderen Stadt bist, nutze die Suchfunktion auf clarat.org.

Härtefallregelung

Wenn du dich in einer sehr schwierigen Situation befindest und wenn du sehr gut integriert bist, kannst du über einen Härtefallantrag eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Ob eine Person als Härtefall anerkannt wird, entscheiden die Innenministerien der Bundesländer. Einige Bundesländer haben dafür so genannte Härtefallkommissionen eingerichtet. Sie können dir sagen, ob du einen Härtefallantrag stellen kannst und was zu tun ist. Beratungsstellen in Berlin findest du hier. Wenn du in einer anderen Stadt bist, nutze die Suchfunktion auf clarat.org.

Kirchenasyl

Wenn du in einer sehr schwierigen Situation bist und du große Angst vor einer Abschiebung in dein Land hast, kannst du bei einer Kirche um Asyl bitten. Die Kirche hört dir zu und überlegt dann, was zu tun ist. Vielleicht nimmt die Kirche dich auf und schützt dich so vor einer Abschiebung. Das nennt man Kirchenasyl. Das klappt aber nicht immer. Manchmal werden Leute auch aus dem Kirchenasyl heraus abgeschoben.

Die meisten Kirchen nehmen Leute nur für eine begrenzte Zeit auf. Während du im Kirchenasyl bist, spricht die Kirche mit den Behörden und versucht eine Lösung für dich zu finden. Kirchenasyl ist sehr anstrengend. Es kann lange dauern bis eine Lösung mit den Behörden gefunden wird. In dieser Zeit bist du von der Kirche abhängig.

Eine Beratungsstelle oder ein Anwalt können dir sagen, ob Kirchenasyl in deinem Fall sinnvoll ist.

Beratungsstellen in Berlin findest du hier. Organisationen, die dir helfen einen Anwalt in Berlin zu finden, findest du hier. Wenn du in einer anderen Stadt bist, nutze die Suchfunktion auf clarat.org.

Familienrat

Lisa geht seit Wochen nicht mehr regelmäßig in die Schule. Das Jugendamt möchte deshalb mit Lisas Eltern sprechen. Mesut bekommt jeden Abend Wutanfälle, wenn er ins Bett gehen soll. Die Nachbarn haben sich deshalb schon beim Vermieter beschwert. Und Lydia und Robert Müller lassen sich scheiden. Nun streiten sie darüber, bei wem die Kinder leben sollen.

In jeder Familie gibt es mal Probleme. Manchmal spitzt sich die Situation aber soweit zu, dass das Familiengericht oder eine Fachkraft vom Jugendamt eingeschaltet wird. Diese sollen dann eine Lösung für die Probleme finden. Der Familienrat hingegen ist eine Methode, bei der Familien selbst Lösungen für ihre Probleme entwickeln. Ohne, dass ein Dritter Entscheidungen für sie trifft und ihnen sagt, was sie machen sollen.

Wie funktioniert ein Familienrat?

In diesem Video wird der Familienrat kurz erklärt:

 

Wie läuft ein Familienrat ab?

Ein Koordinator besucht die Familie und hilft ihr dabei, den Familienrat vorzubereiten. Gemeinsam entscheiden sie, wer am Familienrat teilnehmen soll. Und legen den Ort und den Zeitpunkt fest. Der Koordinator spricht insbesondere auch mit den Kindern. Und bereitet sie auf den Familienrat vor. Für Kleinkinder ist eine Teilnahme weniger geeignet. Aber bereits Kinder im Grundschulalter können sehr wohl am Familienrat teilnehmen. Stellvertretend für Kleinkinder könnten auch Verwandte, Freunde oder Bekannte teilnehmen, die das Kind gut kennen. Sie bringen dann die Interessen und Bedürfnisse des Kindes in die Runde ein.

Der Koordinator lädt dann alle Beteiligten zu einem Termin ein.

Der Familienrat besteht dann aus drei Phasen:

  1. Infophase
  2. Family-only Phase
  3. Abschluss 

Am Anfang können zum Beispiel ein Sozialarbeiter, Arzt oder Lehrer ihre fachliche Meinung einbringen. Anschließend beginnt die family-only Phase. Hier sitzt die Familie ganz alleine an einem Tisch und bespricht das Problem. Jeder sagt, wie es ihm geht. Und was er sich wünscht. Anschließend entwickelt die Familie gemeinsam eine Lösung. Zum Schluss stellen sie das Ergebnis dem Koordinator vor. Der Koordinator hält dann die Vereinbarungen fest, die die Familienmitglieder getroffen haben. Nach ein paar Wochen beruft er ein weiteres Treffen ein, um zu prüfen, ob alle die Vereinbarungen einhalten. Oder ob es eine andere Lösung braucht.

Was spricht für einen Familienrat?

  1. Kinder lernen früh, wie man Konflikte konstruktiv löst.
  2. Es gibt keine Verlierer. Denn es geht nicht darum, wer Recht hat und wer nicht. Sondern eine Lösung zu finden, mit der alle einverstanden sind.
  3. Kein Dritter bestimmt über die Köpfe der Familie hinweg. Sondern die Familienmitglieder sind Experten in eigener Sache. Sie entscheiden, was ihnen hilft.
  4. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle an die Vereinbarungen halten ist größer, da sie diese gemeinsam getroffen haben.

Wo kann man einen Familienrat machen?

In Berlin gibt es mehrere Organisationen, die einen Familienrat anbieten. Ansprechpartner in deiner Näher findest du auf clarat.org.

von Andrea Kazcmarek

Psychotherapie

Psychische Probleme treten nicht nur bei Erwachsenen auf. Laut einer Studie des Robert Koch Instituts sind in Deutschland 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen. Eltern sollten in diesen Fällen nicht zögern, Hilfe für ihre Kinder zu suchen. Doch woran merke ich, dass mein Kind psychische Beschwerden hat? Und wer bietet eigentlich eine Psychotherapie an? Und was passiert da genau?

Was ist eine Psychotherapie und was können Anlässe sein?

Unter einer Psychotherapie versteht man die Linderung oder Heilung psychischer bzw. seelischer Störungen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern “Seele” sowie “pflegen/ sorgen” bzw. “Heilung” zusammen.

Leider gibt es keine pauschale Antwort darauf, was typische Alarmsignale sind. Dies hängt immer vom jeweiligen Kind und von der jeweiligen Situation und Störung ab. Eine eindeutige Diagnose kann nur ein entsprechender Facharzt stellen.

Anlässe für ein solches Gespräch können zum Beispiel sein:

  • Probleme einzuschlafen oder durchzuschlafen
  • Einnässen und/oder Einkoten
  • Angststörungen (z.B. Panikattacken, Phobien oder Trennungsangst)
  • Unruhe und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Aggressives oder trotziges Verhalten
  • Niedergeschlagenheit, düstere Gedanken, häufiges Weinen aufgrund von Kleinigkeiten
  • Plötzlicher Kontaktabbruch zu Freunden
  • Körperliche Beschwerden ohne organischen Befund (z.B. Bauch- oder Kopfschmerzen)
  • Konzentrationsprobleme
  • Essstörungen (Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Fettleibigkeit)
  • Zwanghafte Handlungen, Tics oder immer wiederkehrende Gedanken
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder Computersucht
  • Selbstverletzendes Verhalten oder Selbstmordversuche

Wer bietet eine Psychotherapie an?

In Deutschland dürfen folgende Berufsgruppen eine Therapie anbieten:

  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • Psychologische Psychotherapeuten
  • Heilpraktiker mit Psychotherapie-Erlaubnis
  • Fachärzte, deren Ausbildung Psychotherapie umfasst
  • Ärzte mit Zusatz-Weiterbildung in Psychotherapie

Die Begriffe Psychologe, Psychiater und Psychotherapeut klingen gleich. Und häufig fällt Laien die Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezeichnungen schwer.

Ein Psychologe hat Psychologie studiert. Er ist kein Arzt und darf keine Medikamente verschreiben. Um eine Psychotherapie anbieten zu können, muss er eine Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten gemacht haben. Psychologen arbeiten in vielen verschiedenen Bereichen, zum Beispiel bei Beratungsstellen, in Unternehmen, bei der Polizei oder in Krankenhäusern.

Ein Psychiater hat Medizin studiert. Und im Anschluss eine psychiatrische und psychotherapeutische Facharztausbildung. Er darf also eine Psychotherapie anbieten und Medikamente verschreiben. Psychiater arbeiten häufig in Kliniken oder in eigenen Praxen.  

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten behandeln Patienten, die unter 21 Jahren sind. Sie haben Psychologie oder Pädagogik studiert und im Anschluss eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert, die speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet ist.

‘Psychotherapeut’ darf sich nicht jeder nennen. Als Psychotherapeut darf sich nur bezeichnen, wer eine entsprechende zusätzliche Ausbildung absolviert hat. Sie berechtigt ihn dann dazu, eine Psychotherapie anzubieten.

Wie läuft eine Psychotherapie ab?

Ganz am Anfang gibt es zunächst Probesitzungen. Sie werden manchmal auch “probatorische Sitzungen” genannt. Das sind erste Treffen mit dem Psychotherapeuten, um sich kennen zu lernen. Und um herauszufinden, ob eine behandlungsbedürftige Krankheit vorliegt. Dabei sollte man sich fragen: “Vertraue ich dem Therapeuten?”, “Fühle ich mich wohl und verstanden?”. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man sich lieber einen anderen Therapeuten suchen.

Man kann sich auch schon im Vorfeld Fragen überlegen, die man dem Therapeuten stellen möchte. Zum Beispiel: “Wie gehen Sie vor?”, “Wie laufen die Sitzungen ab?”, “Wie lange wird es dauern, bis sich Veränderungen zeigen?” oder “Mit welchen Problemen muss ich rechnen?”. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für fünf bis acht Probesitzungen.

Nach dem ersten Gespräch wird der Therapeut fragen, ob das Interesse besteht, eine Therapie zu beginnen. Diese beginnt dann offiziell, sobald die Krankenkasse die Kostenübernahme bestätigt hat. Häufig wird eine bestimmte Anzahl an Stunden bewilligt. Meistens zwischen 25 und 50 Stunden. Wie die Therapie genau verläuft, hängt stark von der jeweiligen Person, dem Problem und dem Therapieverfahren ab. Einen Überblick über verschiedene Therapieformen gibt es auf der Internetseite therapie.de.

Eltern spielen in der Therapie von Kindern häufig eine wichtige Rolle. Deshalb kann es auch sein, dass die Eltern bei einzelnen Gesprächen dabei sind. Oder der Therapeut extra Termine nur mit ihnen vereinbart.

Alles, was Patient und Psychotherapeut während der Therapie besprechen, ist vertraulich. Das heißt Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht. Sie dürfen keinem Dritten Informationen weitergeben, es sei denn, der Patient erlaubt es ausdrücklich.

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Jeder, der eine gesetzliche Krankenversicherung hat, kann sich direkt an einen Psychotherapeuten wenden. Ab 15 Jahren können sich Jugendliche auch ohne das Wissen ihrer Eltern bei einem Psychotherapeuten melden. Bei Privatversicherten müssen den Antrag auf Kostenübernahme jedoch die Eltern stellen.

Auf den Internetseiten der Psychotherapeutenkammern findest du Therapeuten in deiner Nähe. Hier werden nur Psychotherapeuten aufgelistet, die auch eine entsprechende Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben.

Häufig gehen Eltern jedoch trotzdem zunächst zu ihrem Kinderarzt. Dieser prüft, ob es eine organische Ursache gibt und überweist andernfalls ggf. zu einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Du kannst dich aber auch direkt an eine kinder- und jugendpsychiatrische Klinik wenden.

Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen speziell für Kinder, Jugendliche und Eltern. Auf clarat.org kannst du eine passende Beratung in deiner Nähe finden.

von Andrea Kaczmarek

Wohnen

السكن

إن الحق السكن يعتبر أحد الحقوق الأساسية في ألمانيا. ولكن ماذا عن اللاجئين القادمين من خارج البلاد، هل لديهم هذا الحق؟ أين يسمح لهم بالعيش؟ ومن يمكنه مساعدتهم في إيجاد السكن؟


حق السكن

أساساً يمتلك جميع الناس بما فيهم اللاجئين حق السكن في ألمانيا. ولكن نوع السكن يتعلق بإذن الإقامة والمدة التي قضاها الشخص في ألمانيا. في البداية يعيش اللاجئون غالباً في مدارس قديمة، صالات رياضية، أو ثكنات عسكرية سابقة. هذه تعتبر مراكز الإستقبال الأولية للاجئين. إن نوع السكن التالي الذي سينتقل إليه اللاجئ لاحقاً يتوقف على الولاية و البلدية. يعيش اللاجئون أحياناً في سكن جماعي، حيث فيه يتقاسمون العيش في غرفة. في بعض البلديات يسمح لهم أيضاً بالانتقال والعيش في سكن خاص مشترك WG. طالبو اللجوء القادمون من بلدان آمنة يتوجب عليهم المكوث في مراكز الإيواء الأولية حتى يتم النظر في طلبات لجوئهم. في عام ٢٠١٦ تم اعتبار البلدان التالية بلدان آمنة: البوسنة والهرسك، مقدونيا، صربيا، مونتينيغرو، ألبانيا، كوسوفو، غانا، والسنغال.

هل يسمح لطالبي اللجوء اختيار مسكنهم؟

لا. عندما يأتي الشخص إلى ألمانيا يتم أخذه إلى أقرب مركز استقبال ليتم تسجيله. ومن ثم يمكن أن يتم نقله. يوجد منظمات اختصاصية مختلفة تهتم بأمر اللاجئين القادمين من بلدان محددة. بالإضافة لذلك يوجد نظام في ألمانيا لتقاسم اللاجئين قائم على مبدأ المحاصصة. كلما زاد عدد سكان ولاية ما، تقوم هذه الولاية باستقبال عدد أكبر من اللاجئين. إذا كان اللاجئ قم وصل لمركز الاستقبال „الصحيح“ عندها يمكنه تقديم طلب اللجوء هناك. في ألمانيا لا يمكن للاجئين استئجار مسكن في الأشهر الثلاث الأولى. في هذه المدة يكونون مجبرين على البقاء في مراكز الاستقبال الأولية. الدولة تتحمل نفقات السكن والطعام. هذا الوضع في مراكز الاستقبال الأولية يمكن أن يستمر حتى يتم البت في طلب اللجوء المقدم.

من هم اللاجئون الذين يحق لهم الحصول على سكن؟

الوضع شبيه لما هو عليه في حق العمل، حيث يأتي حق السكن تباعاً بعد الحصول على حق اللجوء. بالإضافة لهذا يتعلق نوع السكن بالمقاطعة والبلدية ذات الاختصاص. فبحسب كل مقاطعة يوجد نظم مختلفة، على سبيل المثال متى يحق للأشخاص الحاصلين على إقامة الدولدونغ استئجار شقة.

  • طالبو اللجوء يحصلون على إذن إقامة مؤقت طالما أن طلبات لجوئهم قيد الدراسة. طالبو اللجوء يخضعون لمبدأ الإقامة الإلزامية. إن تقليص حرية الحركة الخاص باللاجئين يعني، أنه لا يسمح لطالبي اللجوء التجوال خارج المناطق المحددة لهم إلا بإذن من مكتب سلطة الأجانب.
  • الأشخاص الحاصلون على إقامة الدولدونغ يخضعون لمبدأ الإقامة المحددة بالمكان إذا كانوا يتلقون المساعدات الإجتماعية (السوسيال). هذا يعني أن اللاجئين الحاصلين على إذن إقامة أو الدولدونغ، سيكونون مجبرين على الإقامة في موقع معين. إذا كان المعنيون غير معتمدين على المساعدات الاجتماعية، عندها يمكن لهذا الشرط أن يصبح ملغياً.
  • الأشخاص الحاصلين على الحماية الفرعية و اللاجئين المعترف بهم يمكن أن يتم شملهم ضم مبدأ الإقامة المحددة بالمكان عندما يتلقون المساعدات الاجتماعية. من خلال أحد التعديلات على قانون الاندماج في عام ٢٠١٦ فقد تم وعلى الرغم من مبدأ حرية اختيار مكان الإقامة الذي كان يتمتع به اللاجئون، تم شملهم في مبدأ الإقامة المحددة. ويعتبر هذا التعديل ذو أثر رجعي على جميع من حصل على الإقامة ابتداء من ١ كانون الثاني ٢٠١٦.

كم يسمح أن يكون ثمن إيجار المنزل؟

بالنسبة لتكاليف الإيجار يوجد حدود عليا وهذه الحدود تعتمد على عدد الأشخاص الذين سيعيشون سوياً. هذه الحدود العليا يمكن إيجادها في هذا الجدول هنا. إن المعلومات الواردة في الجدول تصلح في مقاطعة برلين. هام: إذا تم الانتقال إلى سكن مشترك فعندها يمكن أن تنخفض هذه الحدود العليا بنسبة ٢٠ بالمئة. هذه القيم تنطبق أيضاً بطبيعة الحال على الأشخاص الذين ليس لديهم سكن والذين ينتقلون من مراكز الإيواء الخاصة بالمساعدات السكنية إلى منزل.

الدعم المقدم من منظمات مساعدة اللاجئين

يوجد في ألمانيا منظمات يمكن عن طريقها الحصول على مشورة مجانية. حيث يمكنك هناك الحصول على معلومات هامة لجميع الأسئلة التي لديك فيما يخص موضوع البحث عن سكن واستئجار مسكن. هناك تتعلم الحقوق والواجبات الخاصة بالمستأجر وتعرف كيف تبحث عن عروض سكن. هنا ستجد المنظمات اللاتي يمكنهم المساعدة في ذلك.

عمر الصباغ‎

Wohnen als Flüchtling in Deutschland

Wohnrecht gilt als eines der Grundrechte in Deutschland. Aber was ist mit den Flüchtlingen, die aus dem Ausland gekommen sind? Haben sie das gleiche Recht? Und wer kann ihnen dabei helfen, eine Unterkunft zu finden?

Wohnrecht

Im Prinzip haben alle Menschen einschließlich der anerkannten Flüchtlinge das Wohnrecht in Deutschland. Aber die Art der Unterkunft hängt von ihrer Aufenthaltserlaubnis und dem Zeitraum ab, den sie in Deutschland verbracht haben. Flüchtlinge wohnen anfangs oft in alten Schulen, Sporthallen oder ehemaligen Baracken. Dies sind die Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge. Die nächste Wohnungsart, in die Flüchtlinge später umziehen, hängt vom Bundesland und Bezirk ab. Flüchtlinge wohnen manchmal in einem Wohnheim, in dem sie sich ein Zimmer teilen. Und in manchen Bezirken dürfen sie möglicherweise in eine Wohngemeinschaft umziehen. Asylbewerber, die aus einem sicheren Herkunftsstaat kommen, müssen in den Erstaufnahmestellen bleiben, bis ihre Anträge beschlossen werden. 2016 galten die Staaten Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Ghana und Senegal als sichere Herkunftsstaaten.

Darf ein Asylbewerber eine Unterkunft auswählen?

Nein. Wenn man nach Deutschland gekommen ist, wird man zum nächsten Auffanglager gebracht, um sich zu registrieren. Danach kann man verlegt werden. Es gibt verschiedene spezielle Organisationen, die sich um Flüchtlinge aus bestimmten Ländern kümmern. Außerdem gibt es in Deutschland ein System, um die Flüchtlinge zu verteilen, das im Rahmen von Beteiligung aufgebaut wurde. Je mehr Einwohner das Bundesland hat, desto mehr Flüchtlinge kann das Bundesland aufnehmen. Wenn ein Flüchtling im “richtigen” Auffanglager angekommen ist, kann er dort Asyl beantragen.
In Deutschland können die Flüchtlinge in den ersten drei Monaten keine Wohnung mieten. In diesem Zeitraum sind sie verpflichtet, in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu wohnen. Der Staat übernimmt sowohl die Unterbringung als auch die Verpflegung. Diese Zeit in der Aufnahmeeinrichtung kann ausgedehnt werden, bis der Asylantrag bearbeitet wurde.

Welche Flüchtlinge können eine Wohnung bekommen?

Ähnlich wie das Arbeitsrecht, kommt das Recht auf eine Wohnung mit der Asylberechtigung. Außerdem hängt die Art der Wohnung vom Bundesland und Bezirk ab. Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regelungen, zum Beispiel ab wann Menschen mit Duldung eine Wohnung anmieten dürfen.

 

  • Asylbewerber bekommen eine Aufenthaltsgestattung, solange der Asylantrag von den Behörden bearbeitet wird. Asylbewerber unterliegen einer Residenzpflicht. Damit ist die räumliche Beschränkung des Aufenthaltsbereichs von Flüchtlingen gemeint, also eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit. Asylsuchende dürfen das ihnen zugewiesenen Territorium, einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt, nicht ohne Erlaubnis der Ausländerbehörde verlassen.

 

  • Menschen mit Duldung müssen einer Wohnsitzauflage nachkommen, wenn sie Sozialleistungen empfangen. Das bedeutet, dass Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsgestattung, einem Ankunftsnachweis oder einer Duldung verpflichtet sind, an einem bestimmten Ort zu wohnen. Sind Betroffene nicht auf diese Leistungen angewiesen, kann die Auflage gestrichen werden.

 

  • Menschen unter subsidiärem Schutz und die Anerkannten Flüchtlinge können mit einer Wohnsitzauflage belegt werden, wenn sie Sozialleistung beziehen. Durch eine Änderung des Integrationsgesetzes im Jahr 2016 besteht trotz der geltenden Freizügigkeit in Deutschland für anerkannte Asylberechtigte unter bestimmten Umständen eine Wohnsitzauflage. Dies gilt rückwirkend für alle Anträge, welche ab dem 1. Januar 2016 bewilligt wurden.

 

Wie teuer darf eine Wohnung sein?

Für die Mietkosten gelten bestimmte Obergrenzen, je nach Anzahl der dort lebenden Personen. Diese Obergrenzen findest du in der Tabelle hier. Die Informationen in der Tabelle gelten in Berlin. WICHTIG: Wenn du aus einer Gemeinschaftsunterkunft in eine Mietwohnung umziehst, kannst du diese Obergrenzen um 20 Prozent überschreiten. Dies gilt übrigens auch für andere Wohnungslose, die aus Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in eine eigene Wohnung umziehen.

Unterstützung durch Organisationen der Flüchtlingshilfe

Es gibt in Deutschland Organisationen, bei denen du kostenlose Beratungen bekommen kannst. Dort bekommt man die wichtigsten Informationen zu allen Fragen rund das Thema Wohnungssuche und Mietwohnungen. Du lernst die Rechte und Pflichten von Mietern kennen und erfährst, wo du Wohnungsangebote suchen kannst. Hier findest du Organisationen, die dir dabei helfen können.

von Omar Alsabbagh

Jugendamt

Die Jugendämter in Berlin unterstützen Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern und Jugendlichen. Sie bieten viele verschiedene familienunterstützende Angebote, die dazu beitragen sollen, positive Lebensbedingungen für Familien zu schaffen.

Frühe Hilfen für Schwangere, werdende Eltern und Familien

Für Schwangere, werdende Väter und Familien gibt es viele Unterstützungsangebote, um mit der neuen Lebenssituation gut zurechtzukommen. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, in Familienzentren andere Eltern zu treffen, sich auszutauschen, Kurse zu besuchen oder Beratung und Unterstützung durch Fachkräfte zu erhalten.

Das Jugendamt bietet zusätzlich eine aufsuchende Elternhilfe an. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes (werdende) Eltern unterstützt, um gute Lebensbedingungen für das Baby zu schaffen. Sie bieten Begleitung und Beratung rund um die Themen Gesundheit für Mutter und Kind, soziale Beratung und Unterstützung bei Behördengängen.

In besonders belastenden Lebenssituationen gibt es die Möglichkeit, Unterstützung durch eine Familienhebamme zu erhalten. Im Unterschied zu einer Hebamme ist eine Familienhebamme speziell ausgebildet und unterstützt auch nach der 8. Lebenswoche des Kindes. Sie unterstützt in medizinischen Fragen, bei psychischen und gesundheitlichen Problemen, bei pflegerischen Problemen und in allgemeinen Fragen.

Elterngeld, Unterhaltsvorschuss und Beistandschaft

Mit der Geburt eines Kindes steht auch die Klärung von Formalitäten an. Zum Beispiel im Bereich Finanzen. Eltern können bei Fragen rund um das Elterngeld oder Unterhaltsvorschuss Unterstützung durch das Jugendamt erhalten. Unterhaltsvorschuss können Alleinerziehende, die keinen oder nicht regelmäßig Unterhalt von dem anderen Elternteil erhalten, beantragen.

Ebenfalls können Alleinerziehende oder allein Sorgeberechtigte eine Beistandschaft im Jugendamt beantragen. Beistandschaft bedeutet, dass das Jugendamt die Mütter oder Väter bei Fragen und Klärung der Vaterschaftsanerkennung und des Kindesunterhaltes berät und unterstützt.

Gemeinsame Sorgeerklärung

Sollten Eltern nicht miteinander verheiratet sein, hat zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht. Daher gibt es unter anderem im Jugendamt die Möglichkeit, eine gemeinsame Sorgeerklärung abzugeben.

Kita und Hort

Wenn Eltern eine Kinderbetreuung benötigen, finden sie beim Jugendamt Hilfe. Das Jugendamt hilft den Eltern bei der Suche nach einem Kitaplatz und berät bei der Kitaplatzauswahl. Desweiteren wird im Jugendamt der Kita-Gutschein beantragt. Ein Kita-Gutschein ist nötig, wenn ein Kind eine Kindertagespflegestätte besuchen soll. Den Gutschein können Eltern in einer Tageseinrichtung ihrer Wahl einlösen, wenn dort ein Platz frei ist. Für den Abschluss von Hortverträgen ist das Jugendamt ebenfalls zuständig.

Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und Familienzentren

Das Jugendamt bietet in Zusammenarbeit mit freien Trägern der Jugendhilfe viele verschiedene Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen. In den Freizeiteinrichtungen können sich Kinder und Jugendliche nach der Schule mit anderen treffen und ihre Freizeit verbringen. Sie können gemeinsam Sport machen oder musizieren. Die Mitarbeiter helfen bei den Hausaufgaben oder sind einfach da, wenn man Probleme hat oder jemanden zum Reden braucht.

Auch für Familien werden in Kooperation Familienzentren angeboten. Dort können Eltern und ihre Kinder zu anderen Familien Kontakt knüpfen und sich über den Familienalltag austauschen. Es gibt viele verschiedene Angebote. Zum Beispiel Vorträge zu Gesundheits- und Erziehungsthemen, Eltern-Kind-Gruppen oder Erziehungskurse.

Jugendsozialarbeit

Kinder und Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Zugang zu den Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen finden, sollen durch Angebote der Jugendsozialarbeit erreicht werden. Das sind zum Beispiel Kinder und Jugendliche, die sich benachteiligt fühlen, ausgegrenzt sowie stigmatisiert werden und sich unerwünscht fühlen. Straßensozialarbeiter suchen diese Plätze auf und die Kinder und Jugendlichen bekommen Beratung, Begleitung und Unterstützung bei Alltagsproblemen. Zum Beispiel Begleitung bei Ämtergängen oder zu Gerichtsterminen.

Jugendberufsagentur

Die Jugendberufsagentur ist für Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Schule ohne einen Schulabschluss abgeschlossen haben, keinen Ausbildungsplatz finden oder aufgrund einer Krise ihre Ausbildung abgebrochen haben. Der junge Mensch wird umfassend beraten und gemeinsam wird eine berufliche Perspektive erarbeitet. Ziel der Jugendberufsagentur ist es, ihn zu einem Berufsabschluss und einer Beschäftigung zu führen. Und somit eine aktive Teilhabe am Arbeitsleben und an der Gesellschaft zu ermöglichen.

Erziehungs- und Familienberatung

Das Jugendamt bietet auch eine Erziehungs- und Familienberatung. Dort können Eltern sich beraten lassen, wenn sie Sorgen und Probleme in der Kindererziehung oder im Familienleben haben. Zum Beispiel, wenn das Kind Verhaltensauffälligkeiten aufzeigt. Auch in Trennungs- oder Scheidungssituation finden Familien dort Unterstützung.

Hilfen zur Erziehung

Wenn Eltern Probleme mit der Erziehung haben, bietet das Jugendamt für Familien ein umfangreiches Unterstützungsangebot an. Die Eltern werden bei der Erziehung unterstützt und ihre Erziehungskompetenz wird gestärkt. Somit sollen sie ihre Alltagsprobleme, Konflikte und Krisen aus eigener Kraft meistern können. Es gibt sehr viele verschiedene Hilfen zur Erziehung. Zum Beispiel eine Sozialpädagogische Familienhilfe. Ein Sozialpädagoge kommt regelmäßig zu einer Familie nach Hause und unterstützt sie im Alltag. Aber auch für Kinder und Jugendliche, die nicht mehr zu Hause leben können, bietet das Jugendamt Hilfen. Zum Beispiel Betreutes Wohnen. Dort können die Kinder und Jugendliche für eine bestimmte Zeit leben und werden von Fachkräften im Alltag unterstützt.

Hilfe für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung

Kinder und Jugendliche, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, bekommen vom Jugendamt im Rahmen der Eingliederungshilfe Unterstützung. Von einer seelischen Behinderung spricht man, wenn Kinder oder Jugendliche zum Beispiel eine Essstörung haben oder sich regelmäßig einnässen. Aufgrund der psychischen Belastungen ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, etwa in sozialer, schulischer oder beruflicher Hinsicht, beeinträchtigt. Diese Kinder und Jugendlichen bekommen dann im Alltag durch eine pädagogische Fachkraft Unterstützung.

Eltern von Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen und/oder körperlichen Behinderung finden beim Jugendamt ebenfalls Beratung und Unterstützung.

Jugendgerichtshilfe

Die Jugendgerichtshilfe berät junge Menschen von 14 bis 20 Jahren, die beschuldigt werden, eine Straftat begangen zu haben. Der Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe begleitet den jungen Menschen, dessen Eltern, Erziehungsberechtigte oder gesetzliche Vertreter über das gesamte Verfahren. Aufgabe der Mitarbeiter ist es zum Beispiel, mit dem jungen Menschen über seine persönliche Situation zu sprechen und dem Gericht eine Empfehlung zu geben, mit welchen pädagogischen Maßnahmen auf die Straftat reagiert werden kann.

Hilfe in Krisen und Kinderschutz

Wenn Eltern an ihre Grenzen kommen, nicht mehr weiter wissen oder sich um ihr Kind sorgen, zum Beispiel wegen süchtigen Verhaltens oder Problemen mit Gewalt, bekommen sie schnell Hilfe beim Jugendamt.

Kinder und Jugendliche können sich auch an das Jugendamt wenden, wenn sie in Not sind. Das Jugendamt sorgt dafür, dass es dem Kind und dem Jugendlichen gut geht und bringen es notfalls in Sicherheit. Das nennt man Inobhutnahme.

Bei Sorgen um das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen kann sich jede und jeder vertrauensvoll an das Jugendamt wenden. Die Sorgen können sich zum Beispiel auf Vernachlässigung, Verwahrlosung, auf körperliche und psychische Misshandlungen, auf den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs, auf Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen oder auf häusliche Gewaltsituationen in der Familie beziehen. Das Jugendamt ist verpflichtet, jeder Meldung nachzugehen, und nimmt Kontakt zur entsprechenden Familie auf.

Vormundschaft und Pflegschaft

Das Jugendamt übernimmt die Vormundschaft für die Kinder und Jugendlichen, wenn den Eltern das Sorgerecht entzogen wurde oder sie verstorben sind. Der Vormund ist in der Regel dann für alle Belange der Personensorge und Vermögenssorge zuständig.

Eine gesetzliche Vormundschaft tritt in der Regel ebenfalls bei Müttern ein, die nicht volljährig sind. Sofern sie keinen Vormund benannt haben, wie zum Beispiel die eigenen Eltern, ist das Jugendamt bis zur Volljährigkeit der Mutter für die Personen- und Vermögenssorge des Kindes zuständig.

Eine Pflegschaft bezieht sich dagegen nur auf einzelne Bereiche, zum Beispiel die Gesundheitssorge oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Pflegekinder und Pflegefamilien

Wenn Eltern vorübergehend oder dauerhaft die Erziehung und Versorgung ihres Kindes nicht mehr übernehmen können, gibt es für Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, in einer Pflegefamilie ein neues Zuhause zu finden. Personen, die gerne ein Pflegekind aufnehmen möchten, können sich ebenfalls an das Jugendamt wenden.

Jeder Bezirk in Berlin verfügt über ein Jugendamt, jedoch gibt es viele verschiedene Standorte. Eine Übersicht über die Standorte mit den verschiedenen Fachdiensten gibt es hier.

 

Verschiedene familienunterstützende Angebote findest du auch auf clarat.org.

 

von Julia Butzmann

Borderline

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Eine Borderline-Störung (oder kurz BPS) ist eine Persönlichkeitsstörung. Menschen mit Borderline-Syndrom fällt es schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren. Und reagieren häufig sehr impulsiv. Ihre Gefühle sind dabei sehr wechselhaft. Das bedeutet, dass sich Phasen mit gedrückter Stimmung, mit Zeiten hoher Erregung, Angst, Verzweiflung oder Wut abwechseln. Betroffene berichten auch über ein Gefühl innerer Leere.

Um diese Leere zu überwinden und sich selber wieder zu spüren. Oder aber auch, um sich selbst zu bestrafen, zeigen Menschen mit Borderline oft ein selbstgefährdendes Verhalten. Sie konsumieren zum Beispiel Alkohol oder Drogen, haben wechselnde Sexualpartner, neigen zu hoch riskanten Aktivitäten oder verletzen sich selber. Zum Beispiel indem sie sich ritzen oder Brandwunden zufügen. Auch Versuche sich das Leben zu nehmen, kommen häufig vor.   

Welche Symptome sind typisch für eine Borderline-Störung?

Das DSM (ein amerikanisches System zur Unterscheidung psychischer Krankheiten) definiert die Borderline-Störung als ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten. Die Störung beginnt häufig in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter. Es müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein, damit eine Borderline-Störung vorliegt:

  1. Betroffene bemühen sich stark darum, ein tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu verhindern.
  2. Ein Muster instabiler, intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen. Betroffene idealisieren ihren Partner häufig und werten ihn dann wieder ab.
  3. Eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Betroffene verhalten sich impulsiv in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z.B. Missbrauch von Alkohol oder Drogen, Geldausgaben, Sexualität, riskantes Autofahren oder Essanfälle).
  5. Betroffene verletzen sich wiederholt selbst und/oder versuchen, sich das Leben zu nehmen oder drohen Selbstmord an.
  6. Eine hohe Emotionalität, die zu ausgeprägten Stimmungsschwankungen führt. Betroffene sind abwechselnd sehr niedergeschlagen, wütend oder ängstlich. Wobei diese meist nur einige Stunden und selten mehr als ein paar Tage andauern.
  7. Chronisches Gefühl von Leere.
  8. Heftige Wutausbrüche und Schwierigkeiten diese zu kontrollieren. Teilweise geraten Betroffene auch immer wieder in körperliche Auseinandersetzungen.
  9. Betroffene leiden unter vorübergehenden Wahnvorstellungen oder Wahrnehmungsstörungen.

Was sind mögliche Ursachen für ein Borderline-Syndrom?

Es gibt verschiedene Faktoren, die Ursache für eine Borderline-Störung sein können. Zum einen kann sie genetische oder neurobiologische Ursachen haben. Zum anderen können auch negative Erfahrungen in der Kindheit dazu beitragen. So haben Kinder zum Beispiel häufig Streitigkeiten zwischen ihren Eltern erlebt. Oder sie wurden von ihren Eltern vernachlässigt oder emotional zurückgewiesen. Oder die Kinder haben Gewalterfahrungen oder sexuellen Missbrauch erlebt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Borderline-Störung?

Es gibt vielfältige Therapiemöglichkeiten. In Einzelfällen kann auch eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden. Ein erster wichtiger Schritt dafür ist jedoch die Diagnose der BPS. Dafür solltest du dich an einen Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie wenden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche begleitende Hilfen für Menschen mit BPS. Wie zum Beispiel Betreute Wohnformen für Menschen mit Borderline-Störung. Auf clarat.org kannst du dich informieren, wo es solche Angebote in deiner Nähe gibt.

von Andrea Kaczmarek

ADHS

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung. Bei dieser psychischen Störung ist die Fähigkeit zur Selbststeuerung vermindert. Das heißt, dass sich die Betroffenen nicht konzentrieren können, ständig unruhig sind oder unbedacht handeln. ADHS ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Ungefähr 5 % sind betroffen. Jungen etwas häufiger als Mädchen. ADHS ist eine chronische Störung. Chronische Krankheiten hat man meist sehr lange, oft ein Leben lang. Es gibt chronische Krankheiten, die man behandeln kann. Zu dieser Gruppe gehört auch ADHS.

Es gibt bestimmte Anzeichen, an denen sich ADHS erkennen lässt. Zentrale Symptome sind dabei:

1) Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen

Betroffene Kinder und Jugendliche

  • machen viele kleine Fehler
  • können sich nicht auf eine Sache konzentrieren
  • haben Probleme, anderen aufmerksam zuzuhören
  • machen Aufgaben nicht zu Ende
  • vermeiden anstrengende Aufgaben
  • verlieren häufig Sachen
  • lassen sich schnell durch neue Reize ablenken
  • sind bei Alltagstätigkeiten vergesslich

2) große körperliche Unruhe, starker Bewegungsdrang (Hyperaktivität)

Betroffene Kinder und Jugendliche

  • zappeln viel
  • können nicht stillsitzen
  • fällt es schwer, ruhige Spiele zu spielen
  • sind in ständiger Bewegung

3) unüberlegtes Handeln (Impulsivität)

Betroffene Kinder und Jugendliche

  • platzen mit Antworten heraus, bevor eine Frage zu Ende gestellt ist
  • können in Gruppen nicht warten, bis sie an der Reihe sind
  • unterbrechen Gespräche/Spiele anderer
  • reden ungebremst viel

Doch viele Kinder und Jugendliche zeigen diese Verhaltensweisen. Das heißt aber nicht sofort, dass sie alle auch von ADHS betroffen sind. Für eine Diagnose der Krankheit reicht die bloße Beobachtung der Symptome nicht aus. Zusätzlich müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Die Symptome müssen deutlich ausgeprägt sein. Es reicht also nicht, wenn Kinder ab und zu mal unruhig mit dem Stuhl wippen. Die Symptome sollten länger als 6 Monate anhalten und sich in mehreren Bereichen des Lebens zeigen. Das heißt, wenn ein Kind nur in der Schule Anzeichen von ADHS zeigt, sich zu Hause aber unauffällig verhält, gibt es möglicherweise andere Ursachen. Außerdem sollten die Symptome bereits im Vorschulalter sichtbar sein. Und das Verhalten des Kindes muss stark von dem Gleichaltriger abweichen. Ein Kleinkind kann sich naturgemäß weniger stark selbst steuern als ein Jugendlicher.

Zeigen sich die Symptome in dieser Form, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Für die Diagnose ADHS sind ausführliche Untersuchungen nötig. Dazu gehören unter anderem Gespräche mit den betroffenen Kindern oder Jugendlichen, ihren Eltern und auch den Lehrern oder Erziehern. Auch Verhaltensbeobachtungen und psychologische Tests helfen bei der Diagnose.

Man kann nicht von einer einzigen Ursache für ADHS sprechen. Die Entstehung von ADHS wird durch viele Faktoren begünstigt, wobei die genetische Veranlagung eine ganz besonders große Rolle spielt. Es wurde nachgewiesen, dass es einen hohen erblichen Einfluss gibt. Auch Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle. Genauso wie Veränderungen der Struktur und Funktion bestimmter Regionen im Gehirn. Auch eine Störung im Neurotransmitter-Bereich beeinflusst die Erkrankung.

Als wichtigste Ursache für ADHS gilt aber die genetische Veranlagung. ADHS kann „vererbt“ werden. Angehörige ersten Grades (Vater, Mutter, Kinder) haben eine drei- bis fünffach erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenfalls an ADHS zu leiden. Eineiige Zwillinge sind in ca. 60- 80% der Fälle beide von ADHS betroffen. Zweieiige Zwillinge haben nur in ca. 35 % der Fälle gleichzeitig ADHS.

Neben den genetischen Faktoren spielen äußere Einflüsse bei der Entstehung von ADHS eine Rolle. Es ist zum Beispiel entscheidend, wie sich Schwangerschaft und Geburt gestalteten. Mit einer Frühgeburt, mit Komplikationen bei der Geburt oder mit Drogen- und Nikotinkonsum während der Schwangerschaft steigt das Risiko, an ADHS zu erkranken.

Darüber hinaus können bestimmte Faktoren den Verlauf von ADHS negativ beeinflussen bzw. die Symptomatik verstärken. Zum Beispiel erhöhter Medien-, Computer- und Fernsehkonsum. Aber auch das Leben in der Großstadt ohne Freiraum und mit Bewegungsmangel. Und auch der Erziehungsstil sowie die Eltern-Kind-Beziehung können für den ADHS-Verlauf von Bedeutung sein.

Heute gibt es effektive Maßnahmen zur Behandlung von ADHS. Es gibt Medikamente, die helfen können. Bei starkem Leidensdruck kann die Einnahme von Medikamenten hilfreich sein, um die Symptomatik zu verbessern. Häufig werden Medikamente in Kombination mit weiteren Therapieverfahren eingesetzt. Diese Therapien können aber auch ohne Medikamente für Betroffene unterstützend sein. Es ist immer sinnvoll, sich über die psychische Störung zu informieren. Um eingeschliffene Denk- und Verhaltensmuster zu verändern, hat sich eine Verhaltenstherapie bewährt. Diese kann in Einzel- und/oder Gruppentherapie durchgeführt werden. Auch Beratungen, Trainings und Selbsthilfegruppen sind gute Ansätze, um gut mit ADHS umzugehen.

Ob und welche Therapie bei ADHS sinnvoll ist, hängt immer vom Leidensdruck des Betroffenen ab. Das Ziel der Behandlung ist ein besseres Selbstmanagement und eine leichtere Bewältigung des Alltags.

Wenn du ADHS hast oder jemand, den du kennst, unter ADHS leidet, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. clarat.org hilft dir bei der Suche nach Therapien, Beratungen oder Selbsthilfegruppe zum Thema ADHS.

von Magdalena Firchau